Thailand – das Herz Südostasiens
Auch nach dem verheerenden Tsunami vom Dezember 2004 bleibt Thailand eines der beliebtesten Fernreiseziele der Europäer. Mit seinen 514'000 km2 ist es in etwa so gross wie Frankreich, wenn auch in nord-südlicher Ausrichtung wesentlich länger und somit landschaftlich sehr abwechslungsreich. Das Land lässt sich im Wesentlichen in 5 unterschiedliche Gebiete aufteilen:
Jedes dieser Gebiete hat seinen eigenen speziellen Charme und Reiz.
Nordthailand
Der Norden von Thailand ist durch mehrere Bergketten und Flusstäler geprägt. Der höchste Berg Thailands, der Doi Inthanon (2565m) befindet sich ebenfalls in dieser Region. Vor Jahren erlangte vor allem das nördliche Grenzgebiet zu Burma und Laos, auch bekannt unter dem Namen „goldenes Dreieck“, zweifelhaften Ruhm. Es war berüchtigt für den Anbau von Schlafmohn, aus dem später qualitativ hochwertiges Heroin produziert wurde. Die Gegend war nicht nur klimatisch ideal, denn die vielen urwaldbewachsenen Hügel boten zahlreiche Verstecke und die Schmuggelpfade von und nach Burma oder Laos waren meist nur den dort ansässigen Bergvölkern bekannt. In den letzten Jahren aber wurden grosse Teile dieses Urwalds durch skrupellose Händler meist illegal gerodet und die Tropenhölzer wie Teak und Mahagoni ins Ausland verkauft.
Mittlerweile hat man jedoch erkannt, wie wichtig eine intakte Umwelt ist, nicht zuletzt auch für den Tourismus. Von Chiang Mai aus, der zweitgrössten Stadt Thailands, lassen sich vorzüglich ein- bis dreitägige, gut geführte Trekkingtouren unternehmen. Diese geben Ihnen die Gelegenheit, einige von Thailands Bergstämmen kennen zu lernen, wie z.B. die Meos, die Akhas, die Karen oder die Lisu. Man übernachtet in einem jener traditionellen Dörfer und setzt am nächsten Morgen die Reise auf dem Rücken eines Elefanten oder auf einem Bambusfloss fort.
Selbstverständlich kann man auch, wie vielerorts, ein Auto oder ein Motorrad mieten und die wunderschöne Landschaft auf eigene Faust erkunden. Als mögliche Touren seien hier zum Beispiel die Strecke “Chiang Mai – Pai – Mae Hong Song“ oder „ Chiang Mai – Chiang Rai – Mae Sai“ erwähnt.
Nordostthailand
Der Isaan bildet den nordöstlichen Teil Thailands. Er liegt auf der Khorat-Hochebene und wird im Norden und Osten vom Mekong begrenzt, im Süden von Kambodscha. Im Westen trennt das Petchabun-Gebirge von Nord- und Zentralthailand. Im Isaan lebt ein Drittel der Bevölkerung Thailands.
Die Landwirtschaft, vor allem der Reisanbau, aber in zunehmendem Masse auch der Anbau von Zuckerrohr und Maniok, bildet den vorherrschenden Wirtschaftsfaktor. Doch wegen des sehr trockenen Klimas und des nährstoffarmen Bodens bleibt der Ertrag oft hinter dem anderer Landesteile zurück. Deshalb wird der Isaan nach wie vor als das Armenhaus Thailands bezeichnet.
In der Region wird hauptsächlich die Isaan-Sprache gesprochen, die der Laotischen Sprache ähnelt. Das Thai ist ebenfalls weit verbreitet und im Süden spricht man Khmer. Obwohl der Tourismus im Isaan noch keine grosse Rolle spielt, gelten die Bewohner als überaus gastfreundlich. Der Besucher aus dem Westen wird in den Dörfern oft bestaunt, da man Europäer (thai: Farang) oft nur aus dem Fernsehen kennt.
Die Hauptnahrung im Isaan besteht hauptsächlich aus dem überall angebauten Klebreis – Khao Niau. Im Nordosten werden die Gerichte extra scharf gewürzt gegessen. Die regionalen Spezialitäten wie Som-Tam, der grüne Papayasalat mit fermentierten Krabben oder Fischen der Saison und sehr viel Chili sind für Europäer nicht unbedingt geeignet. Zumindest muss eine grössere Wasserflasche vorhanden sein. Aber die Thais wissen das und sind in der Lage für Farang’s wohlschmeckende Gerichte zu kochen.
Im Isaan wird ansonsten alles gegessen was nicht schnell genug wegrennen oder wegfliegen kann. Geröstete Heuschrecken, Grillen, Larven, Wasserkäfer, Seidenwürmer oder Ameiseneier sind hier ein Leckerbissen und werden von vielen Strassenhändlern angeboten.
Zentralthailand & Bangkok
In der Zentralebene von Thailand befinden sich die früheren Hauptstädte Siams, Sukhothai und Ayutthaya. Die Ruinen von Sukhothai wurden von der UNESCO in das Weltkulturerbe aufgenommen. Ayutthaya wiederum war fast 400 Jahre (bis ins 18te Jahrhundert) Hauptstadt des Königreichs Siams, bevor sie von den Burmesen 1767 fast vollständig zerstört wurde. Einige Jahre später gründete Rama I. (der Begründer der heute noch regierenden Chakri-Dynasty) die neue Hauptstadt Bangkok (auf thailändisch „Krung Thep“ genannt) an den Ufern des Flusses Menam Chao Phraya.
Die 8-Millionen-Metropole Bangkok mag auf den ersten Blick für viele Besucher enttäuschend wirken, denn die Stadt ist einerseits schmutzig, lärmig und die Abgase der vielen Autos welche tagtäglich für Stunden im Stau stecken bleiben, verpesten die Luft derart, dass die Stadt unter andauerndem Smog leidet.
Anderseits ist Bangkok aber ein riesiges Einkaufsparadies, mit etlichen grossen Shoppingmalls. Elektronikartikel, Schmuck oder auch massgeschneiderte Kleider lassen sich in Bangkok zu einem sensationell günstigen Preis erstehen. Auf vielen Strassen und in vielen Gassen lassen sich auch verschiedene Märkte finden, wo Ihnen sogenannte „echte“ Markenartikel wie Levis-Jeans, Lacoste-Shirts oder Rolex-Uhren angeboten werden. Wenn Sie gut im Handeln sind, können Sie unter Umständen eine „fast echte“ Rolex für 1000 Baht (ca. 30.- Franken) kaufen. Doch wundern Sie sich nicht, wenn die Uhr nur solange funktioniert, bis Sie das Flugzeug Richtung Heimat besteigen.
Erwähnenswert in Bangkok sind natürlich auch die vielen buddhistischen Tempel wie Wat Arun, der Tempel der Morgenröte oder Wat Po mit der auch international bekannten Massageschule. Unbedingt besuchen sollte man natürlich den Königstempel Wat Phra Keo mit dem riesigen Smaragd-Buddha.
Sonntags wäre ein Spaziergang im Lumpinipark, der „grünen Lunge“ Bangkoks, angebracht. Der rechteckige Park liegt zentral mitten in Bangkok. Mit künstlichen Seen und schattenspendenden Bäumen findet man hier etwas Abstand von der Hektik der Grossstadt. Frühmorgens kann man dort oft den älteren Chinesen beim Schattenboxen zuschauen. Im Lumpinipark finden auch viele Konzerte und andere Veranstaltungen statt. Des Weiteren lassen sich thailändische Bodybuilder „bestaunen“, die im Freien trainieren. Auch für das leibliche Wohl wird rund um den Lumpinipark bestens gesorgt. Leckeres, preiswertes Thaiessen wird ausserhalb des Parks gereicht. Wer den Lumpinipark nur kurz besuchen will, um ihn eben mal gesehen zu haben, sollte so gegen 16 Uhr dort sein, denn um 17 Uhr beginnt sich östlich des Parkes an der Wireless Road der bekannte und beliebte Suan Lum Nachtmarkt zu füllen. Der Nachtmarkt ist eine gute Alternative zum Chatuchak Weekend Market, da er schneller zu erreichen ist, viel Live Musik und Unterhaltung bietet und man nicht so früh aufstehen muss wie für den Weekendmarkt.
Südostthailand
Südostthailand wurde vor allem durch das berühmt berüchtigte Pattaya bekannt. Doch noch in den 50er Jahren war die Bucht von Pattaya nur von einigen Fischerfamilien bewohnt, welche das ruhige Wasser und die sichere Lage schätzten. Die eigentliche Geschichte des heutigen Pattaya beginnt erst in den frühen 60er Jahren, als sich während des Vietnam-Krieges in Sattathip eine Basis der US-Marines befand. Daneben wurde U-Tapao von den USA als Airbase ausgebaut. Die GI’s fuhren in ihrer Freizeit in das nahe gelegene Pattaya, um sich dort an den sauberen Stränden zu entspannen. Bald wurde der Ort zur „Rest & Recreation“ (R&R) des US-Militärs, mit einem einzigen Hotel internationalen Standards, dem Nipa-Lodge. Heute zieht Pattaya jedes Jahr mehr als eine Million Touristen aus dem europäischen, asiatischen und amerikanischen Ausland an. Hier gibt es Hotels, die auch gehobenen Standards genügen. Seit einigen Jahren sind Bestrebungen im Gange, das in westlichen Medien immer wieder gern bemühte Image als Sextourismus-Paradies für Amerikaner und Westeuropäer und seit den 90er Jahren auch für Osteuropäer und Ostasiaten loszuwerden. Es gibt in Pattaya inzwischen einen grossen seriösen Tourismuszweig, der eine gute Alternative zu den Hauptdestinationen Phuket und Koh Samui bietet.
Nebst Pattaya-Beach eignen sich jedoch auch die weiter südlich gelegenen Strände von Rayong und Chantaburi für Badeferien, speziell wenn man ein etwas ruhigeres Ambiente vorzieht. Von Rayong aus kann man mit dem Boot die kleine Insel Koh Samet erreichen, welche aufgrund der vielen günstigen Bungalow-Resorts vor allem bei Budget-Touristen sehr beliebt wurde.
Bekannt wurde in den letzten Jahren jedoch die nach Phuket zweitgrösste Insel Thailands – Koh Chang. Die Insel ist Teil des Meeresnationalparks Mu Koh Chang und besteht zu 70% aus noch ungestörtem und zusammenhängendem Tropenwald. Der Tourismus ist zwar stark zunehmend, liegt aber weit hinter den Zahlen von Phuket oder Koh Samui. Gemäss thailändischen Plänen soll allerdings in den nächsten Jahren der Tourismus ausgebaut werden. Viele bestehende Resorts werden abgerissen, um luxuriöse Unterkünfte für Touristen zu erschaffen. Zu erreichen ist die Insel per Flugzeug und per Fähre über die Stadt Trat in der gleichnamigen Provinz Trat.
Südthailand
Der Süden von Thailand unterscheidet sich wesentlich vom Rest des Landes. Die Entfernung von immerhin über 1000 km zur Hauptstadt Bangkok sorgt nicht nur für klimatisch ganz andere Verhältnisse. Je weiter man auf der Reise nach Süden kommt, desto dunkler wird die Hautfarbe der Menschen, desto schärfer wird das Essen und immer mehr Moscheen sind zu sehen. Der malaysische Einfluss ist stark zu spüren.
Touristisch interessant und bekannt wurde Südthailand vor allem aufgrund der zahlreichen tropischen Inseln in der Andaman See sowie auch im Golf von Thailand. Am bekanntesten dürfte wohl die Ferieninsel Phuket sein, welche zeitweise auch von der Schweiz und anderen europäischen Ländern aus direkt angeflogen wird.
Landschaftlich sind vor allem die Westküste und der Südzipfel der Insel mit den Sandstränden sehr reizvoll. Die Strecke vom Flughafen nach Süden über die Küstenstrasse gibt einen Eindruck, was den Besucher in seinem Urlaub erwartet. Die Ostküste ist durch Garnelenfarmen ziemlich zerstört und nicht besonders aufregend. Hier befinden sich auch die Häfen der Insel, z.B. nehmen hier die Ausflüge nach Koh Phi Phi ihren Anfang.
Nebst Phuket gehört auch Koh Samui zu Thailands international bekannten Inseln. Mit 247 km2 Fläche ist Samui, nach Phuket und Koh Chang, die drittgrösste Insel Thailands. Sie ist Teil des Samui-Archipels, zudem auch etwa 60 weitere Inseln gehören, darunter Koh Pha Ngan, Koh Tao, Koh Nang Yuan, Koh Taen und die rund 40 Inseln des Ang-Thong Nationalparks. In der näheren Umgebung von Samui sind vor allem Koh Pha Ngan und die Inseln des Ang-Thong Nationalparks Ziele für Tagesausflüge. Die Gewässer um Koh Tao (nördlich von Koh Pha Ngan) gehören zu den weltweit beliebtesten Tauchgebieten.
Reisende mit Lust auf Abenteuer können auf der Suche nach unveränderter Naturschönheit und mit Interesse am Tauchsport die Inseln Similan im Andamanischen Meer besuchen, einer Gruppe von neun kleinen Inseln mit unzähligen Korallenriffen. Oder, südlicher, in der Nähe von Malaysia, den riesigen Nationalpark Tarutao, in dem 51 Inseln einen Bereich von fast 1'500km2 umfassen.
Einige südliche Städte wie Nakhon Si Thammarat, Chaiya und Songkhla können auf eine alte Geschichte zurückblicken, reflektiert in den tief liegenden Traditionen, den Überresten der herrlichen Tempel und den eleganten alten Häusern.
Andere mögen Hat Yai, Thailands drittgrösste Provinzhauptstadt, die eine dröhnende moderne Energie hat, die durch den Wohlstand der Region gestärkt wird und viele Touristen aus Malaysia mit Shops und Unterhaltungsdiensten anlockt. In den südlichsten Provinzen Narathiwat, Pattani, Yala und Satun, ist die gewölbte Moschee ein Teil der Landschaft wie die Türme eines buddhistischen Tempels anderenorts, und Malay ist die erste Sprache der meisten Leute. Leider kam es in den vergangenen Jahren zu einigen blutigen Auseinandersetzungen und Terroranschlägen seitens fanatischer Moslems, welche so die Unabhängigkeit vom buddhistischen Thailand zu erreichen versuchen.
Doch alles in allem bietet Thailand mehr denn je für jedermann etwas Interessantes an, egal ob Sie von Aktivferien in tropischer Natur träumen oder sich bei Bade- oder Wellnessferien an einem der weissen Sandstrände verwöhnen lassen möchten. Thailand bietet alle Möglichkeiten, welche sowohl Rucksacktouristen oder Familien mit schmalem Budget, sowie auch Liebhaber von Luxusferien vollends befriedigen werden.
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